Montag, 14. März 2011

Future Beauty: 30 Jahre japanische Mode

Am Sonntag war ich in der Ausstellung "Future Beauty: 30 Jahre japanische Mode". Leider durfte man keine Fotos machen, daher habe ich die Ausstellungsbroschüre abfotografiert :) Zu sehen waren Werke (Kleider kann man eigentlich fast nicht mehr sagen) der japanischen Avantgarde-Designer Yohji Yamamoto, Rei Kawakubo und Issey Miyake.

Die Shilouetten der Kleidungsstücke sind mir als "Westler" sehr fremd. Da wäre zum Beispiel ...
  ... die Überbetonung bestimmer Körperpartien wie bei Rei Kawakubo für ihre Marke "Comme Des Garcons" (1997) ...
 ... oder ein Schnitt bzw. eher ein "Grundriss" eines Kleids mit rechteckigem Rock, in dem sich Rei Kawakubos Liebe für Architektur widerspiegelt (1983/84), oder auch Kleidern, die zusammengefaltet wie Origami aussehen.

Den Avantgarde-Designern geht es dabei um das japanische Schönheitskonzept des "Wabi-Sabi": Schönheit ist in der Bescheidenheit und Unvollkommenheit zu finden. Damit steht es im Kontrast zu "Kawai", dem reinen "Niedlichsein", das in den Jahren zuvor das Frauenbild Japans prägte. Daneben sind aber auch Entwürfe von Jil Sander oder Streetstyle-inspirierte Entwürfe, wie man sie auf der berühmten Shibuya-Kreuzung in Tokio findet.

Für mich war es natürlich etwas komisch, durch diese Ausstellung zu laufen, in Anbetracht der Katastrophe, die Japan erreicht hat und die wohl noch längst nicht zuende ist. Und ich laufe hier happy-deppy rum und freue mich des Lebens ... auch während ich das hier schreibe, habe ich ziemlich gemischte Gefühle.

Wie dem auch sei, es gibt eine Videoinstallation in der Ausstellung, die mich sehr berührt hat. Es handelt sich dabei um einen Kurzfilm von Wim Wenders, er heißt "Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten". Er ist ganz und gar nicht neu, sondern aus dem Jahr 1989. Wim Wenders trifft darin den japanischen Avantgarde-Designer Yohji Yamamoto.

Der Anfang des ersten Teils dreht sich um Identität. Er spricht mir, die ich von zuhause weggezogen bin und in diesem wirren New Media Business arbeite, aus der Seele. Wer bin ich? Was mache ich hier eigentlich? Wo bin ich wirklich zuhause? Wie habe ich mich entwickelt? Und wieso? Ist das gut so? Ist das schlecht? Diese Fragen werde ich mir immer stellen, es sind Fragen ohne Antwort. Oder Fragen, auf die ich immer eine neue Antwort finden werde.

Wim Wenders: A Notebook on Cities an Clothes Pt. I



Man wohnt irgendwo,
man macht irgendeine Arbeit,
man redet irgendwas daher,
man ernährt sich irgendwie,
man sieht sich irgendwas an,
man sieht wahllos irgendwelche Bilder.

Man lebt irgendwie
Man ist Irgendwer.

IDENTITÄT.
Einer Person
Eines Dings
Eines Orts.

IDENTITÄT.
Das Wort verursacht bei mir Gänsehaut.
Es klingt nach Ruhe, Gemütlichkeit, Zufriedenheit.
Was ist das, IDENTITÄT?

Zu wissen, wo man hingehört,
seine Mitte kennen, seinen Eigenwert?
Zu wissen, wer man ist?
Woran erkennt man eine Identität?
Wir machen uns ein Bild von uns selbst,
Wir versuchen, diesem Bild ähnlich zu sehen...
Ist es das?
Der Einklang zwischen dem Bild,
das wir uns von uns machen und
ja,...uns selbst?
Wer ist das, „wir selbst“?

Wir leben in den Städten
die Städte leben in uns...
die Zeit vergeht.
Wir ziehen von einer Stadt in die andere
von einem Land in ein anderes,
wir wechseln die Sprache,
wir wechseln die Gewohnheiten,
wir wechseln die Meinungen,
wir wechseln die Kleidung,
wir verändern uns.
Alles verändert sich. Und zwar schnell.

Vor allem die Bilder,
die Bilder um uns herum verändern und vervielfältigen sich
mit rasender Geschwindigkeit,
seit jener Explosion, die die elektronischen Bilder
freigesetzt hat, die nun allüberall die Fotografie ersetzen.
Wir haben gelernt, dem fotografischen Bild zu vertrauen,
können wir dem elektronischen Bild vertrauen?
Mit der Malerei war alles noch einfach:
Das Original war einzigartig, und jede Kopie daher eine Kopie,
eine Fälschung.
Mit der Fotografie und dann dem Film wurde alles schon
komplizierter:
„Das Original“ war ein Negativ, ohne Kopie existierte es gar nicht,
im Gegenteil: jede Kopie war ein Original.
Jetzt, mit dem elektronischen Bild, und bald mit dem digitalen,
gibt es kein Negativ mehr, genauso wenig wie ein Positiv,
die Idee selbst vom Original ist hinfällig. Alles ist Kopie.
Jede Unterscheidung scheint reine Willkür.

1 Kommentar:

  1. Ich finde es makaber in diesen Zeiten japanische Mode vorzustellen!

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