Freitag, 30. März 2012

Kunsthalle München: "Georgia O'Keeffe - Leben und Werk"




"Georgia O'Keefe? Macht die nicht diese langweiligen Oma-Bilder von Blumen?" meinte eine Freundin von mir, als ich vorschlug, in die aktuelle Ausstellung in der Münchner Kunsthalle zu gehen (an dieser Stelle schonmal Verzeihung, dass ich dein Zitat als Einstieg missbrauche :) Zu meiner Entschuldigung bringe ich vor, dass es sich lediglich um ein journalistisches Stilmittel handelt). Langweilige Oma-Bilder? Nun ja, ganz unrecht hat meine Freundin nicht, denn die Künstlerin Georgia O'Keeffe ist tatsächlich bekannt für ihre Blumenbilder - und dadurch immerhin SEHR berühmt geworden!

Noch interessanter ist allerdings, warum sie überhaupt Blumen gemalt hat. Das hat nämlich nichts damit zu tun, dass man als Frau um die Jahrhundertwende nur harmlose Blümchen zu malen hatte. Es war vielmehr ein interessanter Trick in ihrer Künstlerkarriere, um (männliche) Kritiker mundtot zu machen. Das Frühwerk der Georgie O'Keeffe zeigte nämlich keine Blumen, sondern abstrakte Bilder, nicht unähnlich einem Rohrschach-Test. Leider fielen diese Gemälde mitten in die Zeit, als Freud mit seiner Theorie vom Über-Ich, dem Es und dem Unterbewussten um die Ecke kam. Nun deuteten sämtliche Kunstkritiker munter Geschlechtsteile u. Ä. in die Werke von Georgia O'Keeffe hinein, was vielleicht bei dem ein oder anderen Werk nicht von der Hand zu weisen ist, von der Künstlerin allerdings nicht beabsichtigt war und ihr ziemlich auf den Wecker ging. Und was machte diese schlaue Frau, die übrigens mit dem renommierten Maler Alfred Stieglitz verheiratet war? Sie malte Blumen! Warum? Nun, weil Blumen sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale haben und kein Kritiker der Welt ihr mehr etwas vorwerfen konnte! Ätsch!

Doch damit nicht genug: Um 1920 herum wagte sie sich an etwas damals Ungeheuerliches. Sie malte Stadtansichten von New York. Selbst ihr Mann hatte ihr davon abgeraten, mit der interessanten Begründung, wenn selbst Männer das nicht gut hinkriegen würden, bräuchte sie es als Frau gar nicht erst versuchen! Sie tat es natürlich trotzdem, mit großem Erfolg. Doch O'Keeffe fühlte sich weniger von einer Großstadt wie New York angezogen als von der kargen Landschaft New Mexicos. Immer öfter verbrachte sie Zeit in der Wüste, bis sie schließlich sogar dorthin zog. Sie erkämpfte sich in jahrzehntelangem Tauziehen endlich das Haus ihrer Träume. Hier zeigt die Münchner Kunsthalle eine überaus interessante Dokumentation über ihr Anwesen. Am Ende ihres Lebens kehrte Georgia O'Keeffe wieder zu ihren Anfängen zurück- künstlerisch gesehen. Sie malte wieder abstrakt, ohne das irgendjemand etwas in ihre Werke hineindeutete, was da nicht hingehört. Eine Makuladegeneration, bei der sie ihre Sehkraft nach und nach verlor, zwang sie, die Malerei aufzugeben. Georgia O'Keeffe starb 1986 im Alter von 99 Jahren. Was bleibt, sind die Werke einer starken Frau, die immer ihren Weg ging, gegen alle Widrigkeiten.

Die Ausstellung "Georgia O'Keeffe - Leben und Werk" läuft noch bis zum 13. Mai 2012.

1 Kommentar:

  1. Oh, ich bin morgen zufällig in Minga. Und die Ausstellung hört sich wirklich interessant an. Mal sehen, vielleicht schaff ich es dorthin. Der Post ist übrigens sehr schön geschrieben. Toll! :)

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