Montag, 5. März 2012

Premiere: Pret-a-Porter (1994)


Ini Kamoze - Here Comes The Hotstepper von Hakunamatata67

Was wäre die Modewelt nur ohne Blogger, Online-Journalisten und Anna Wintour? Nun, so ziemlich das, was gestern abend auf arte lief. Da führte sich Frl. Müller nämlich sozusagen ein Dokument der Zeitgeschichte zu Gemüte: Pret-a-Porter. Let me take you back .... way back in time ...

Da ich ja ein 80er-Kind bin, ist mir der Film eigentlich seit dem dazu gehörigen Überhit "Here comes the Hot Stepper" von Ini Kamoze ein Begriff. Das lief damals auf MTV auf und ab, es dröhnte aus dem Kinderzimmer der pubertären Tochter in der Wohnung unter mir in den Hinterhof, in dem ich als unschuldiges Kind spielte. Kurzum: Man konnte diesem Film nicht entkommen! Trotzdem habe ich es mal wieder geschafft, ihn 18 Jahre nicht zu sehen. fast wie bei "Pretty Woman".  Gestern war es dann endlich soweit. Damit ich überhaupt wusste, um was es ging, tat ich etwas, was ich hätte lieber bleiben lassen sollen: Ich googelte den Filmtitel. Einen Film, der gedreht wurde, als es noch kein Google gab! Und entdeckte auf Wikipedia den gesamten Inhalt. Dort erfuhr ich, dass es sich um einen lose zusammenhängenden Episodenfilm handelt, sowie die grobe Handlung, was mir im Nachhinein einiges verdorben hat, glaube ich ...

Ich wusste, dass die Chefredakteurinnen beim Versuch, den irischen Superfotografen Milo O'Brannigan für ihr Blatt zu gewinnen, gnadenlos scheitern und von ihm dabei fotografiert werden würden. Ich wusste, dass der Typ mit der merkwürdigen Krawatte einen anderen Typen mit merkwürdiger Krawatte trifft, dieser an einem Schinkensandwich erstickt, und dass der erste Typ (Marcello Mastroianni) auch der erste Mann von Isabelle de la Fontaine (Sophia Loren) ist.

Es folgen Irrungen und Wirrungen, gefährliche Liebschaften und irre Designer. Oder zumindest das, was Regisseur Robert Altman 1994 dafür (oder seinem Publikum zumutbar) hielt. 2012 irritieren mich solche Leute nicht einmal, ich bin quasi medial mit ihnen aufgewachsen. Und mal ehrlich, wer ist schon Cy Bianco (Forest Whitaker) und sein Geliebter im Vergleich zu BryanBoy, Marc Jacobs oder auch Harald Glööckler?

In Zeiten von endlosen geskripteten "Reality-Shows", "Big Brother" oder Dokumentationen hinter den Kulissen einer Modenschau mag es etwas befemdlich anmuten, dass die Designer anno 1994 Robert Altman das Drehen in den Original-Locations verweigert haben. Mehr noch, Karl Lagerfeld ließ sogar seinen Namen in der deutschen Synchronisation von Pret-a-Porter durch ein "Piep!" zensieren.

Mein persönlicher Höhepunkt war, wie TV-Reporterin Kitty Potter (Kim Basinger) am Ende, entnervt von soviel Modezirkus, das Handtuch wirft angesichts der Show von Designerin Simone Lo (Anouk Aimée), bei der die Models dann doch nicht in den Sellout-Cowboystiefeln, sondern ganz nackt über den Laufsteg schreiten, und ihre eingesprungene Assistentin in ihrer ersten Moderation viel mehr Modewissen offenbart als Potter selbst.

Vielleicht hätte ich aber auch einfach die Finger von Internet, Google, Wikipedia und Co. lassen sollen, um den Film besser genießen zu können ... oder meine Hinterhof-Fantasie war größer als der Film selbst, damals, als ich fleißig mein ELLE-Video mit den Modenschauen der Neunziger auf unserem VHS-Rekorder rauf- und runterlaufen ließ und meine Barbies à la Linda Evangelista, Naomi Campbell oder Helena Christensen einen imaginären Laufsteg auf- und abstolzierten - in meinen neuesten Kreationen! Vielleicht dreht sich die Modewelt am Ende aber einfach zu schnell, und ich sollte einen Film, der mittlerweile 18 Jahre alt ist, als das betrachten, was er ist: ein zeitgenössisches Dokument.

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