Dienstag, 30. Oktober 2012

Konzertcheck: Le1f im Kong



Le1f - Wut (Official Video) from Sam Jones on Vimeo.

"Schwule Mädchen" im Rap - sowas gab es lange Zeit nicht. Und damit meine ich nicht Fettes Brot, sondern homosexuelle Rapper an sich - ist Rap doch nach Fußball die vorletzte Bastion der Männlichkeit und des Machoismus delüxe. Mir war das ziemlich egal, ich zog mir gerne die schlimmsten Prolo-Texte rein, solange die Beats stimmten - bis ich irgendwann keine Lust mehr hatte und Hiphop mir an Klischees zu ersticken drohte.

Doch dann kam Le1f. Le1f is live? Ja und nein! Nein, denn Le1f (ja genau, der offen homosexuelle Rapper, der zurzeit überall gehypt wird, nicht zu verwechseln mit dem offen homosexuellen R'n'B-Sänger Frank Ocean) spricht sich nämlich EL-F, wie ich aus zuverlässigen Hipster-Quellen erfahren konnte. Und ja, denn eben besagter Le1f verpasst Hiphop gerade eine Frischzellenkur und trat live auf - am 25. Oktober 2012 gab der New Yorker einen Club-Gig im Kong. Da ich mir immer sage "Don't believe the hype!" machte sich Frl. Müller auf, an diesem denkwürdigen Ereignis teilzunehmen und zu checken, was dieser Le1f live so kann.

Mit einem Wodka Cranberry in der Hand finde ich mich wieder in einem Publikum, dass man als bunt gemischt bezeichnen darf. Ich sehe: Batikjeans, Air Jordan 9, Lakers-Trikots, Dip-Dye-Hair einerseits und schwarze Bundfaltenhosen, Blusen und spitze Pumps andererseits, zwischendrin noch die Reinkarnation von Phil Lynott von Thin Lizzy - schon ein ziemlich gemischtes Publikum, dass der Herr Le1f da mit seinem New-Orleans-Bounce-Dirty-South-Crunk-wie-auch-immer-Sound anzieht! Wären die Texte nicht, würde ich sagen: Astreine Macho-Maybach-Musik!

Le1f geht das Gequatsche um Gay Rap jedenfalls ziemlich auf die Nerven. "Ich bin ein schwuler Rapper, ich bin ein schwarzer Rapper und ein New Yorker Rapper, aber mein Ziel ist es immer, Songs zu machen, die ein Schwuler oder ein Heterosexueller hören kann und dann sagt: Hey der Typ hat 'Swag'," bekannte er in einem Interview mit dem US-Magazin "The Fader". Und Swag (ja ja, "Stop saying Swag, you sound like an idiot - ich weiß) hat er definitiv, als er dann auf der Bühne steht, nicht in Shorts wie imVideo, sondern in Baggy Pants, die aber eher an eine hipsterige Mischung aus langer Unterbux und Haremshose erinnern, einem "Wife beater" (höhöhö) und eeeeendlos langen Rastazöpfen, die er in einem trendigen schwarz-blauen Dip Dye-Look eingefärbt hat. Und er fackelt auch nicht lang, sondern legt gleich los! Die tiefen Bässe blasen aus den Boxen, und Le1f shakt seinen Booty besser als Beyonce, ist aber mindestens eine genau so große Diva.

Groupies springen auf die Bühne und wollen an seinen Bauchmuskeln lecken, dokumentieren das Ganze dann mit einem Handyfoto - dem Kuss auf den Mund weicht Le1f dann aber elegant aus, den kurzen Flirt mit einem Typen mit Hundehalsband beendet er passend mit den Lyrics aus seinem Song "Bubbles": "Get out my zone!" Sonst dürfen aber einige in seine Zone, Fans entern kurzerhand die Bühne und Selbstdarsteller winden sich im Rhythmus der Musik. Le1f ist live unglaublich gut, seine Energie ist Wahnsinn - der Mann lebt für die ganz große Bühne und liebt die Show. Eine gute Dreiviertelstunde powert er sich aus und präsentiert die Songs seines Mixtapes "Dark York". Zum Grande Finale kommt natürlich der Knaller, der ihn bekannt gemacht hat: "Wut". Die Menge tobt, die Menge schwitzt, die Menge bounct - egal, ob Pumps oder Air Jordan. Dann ist Schluss, eine Zugabe gibt es nicht - die Party geht weiter, aber ohne mich, ich muss ins Bett.

Download: "Dark York" von Le1f auf TheFader.com

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