Samstag, 8. Dezember 2012

Falk's Bar & Kino im Bayerischen Hof



"Was ist der Unterschied zwischen einem Romantiker und einem Realist? Der Realist findet sich mit allem ab, der Romantiker hingegen will seinen Traum einfach nicht aufgeben."

Ein dekadenter Abend liegt hinter Frl. Müller. Auf meinem Weg in den bayerischen Hof tauchte ich ein in das, was München zu München macht: Schumann's Tagesbar, die Schaufenster vom Loden Frey, die ohne Scham das Rockefeller Center in NYC zeigen, Geigenspieler mit traurigen Liedern auf den spätabendlichen Saiten, die mich fast zum Weinen bringen, doch ich verkneife mir die Tränen: Mal ehrlich, wer will schon verheult im Bayerischen Hof durch die Drehtür gleiten? Noch nicht mal die Michael-Jackson-Fans, die an seinem Altar vor dem Hotel ihre Gaben hinterlassen haben, wollen das!

Michael Jackson. Bayerischer Hof. 80iger Feeling anyone?! Das Ganze wird dann nur noch getoppt von Mama und Tochter, die bepackt mit Versace-(sic!)Tüten aus ihrem Range Rover steigen, getreu dem Motto: Mehr ist mehr.

Ich hänge heute Abend in Falk's Bar ab, um mir das Leben von Münchens Star der 80er reinzuziehen: Bernd Eichinger. "Der Bernd" heißt die Doku, ein einfacher, fast bescheidener Titel für den Mann mit den großen Träumen. Raus aus der Filmschule, rein nach Hollywood! Ein Glas Champagner und das hauseigene Popcorn begleiten mich in die Astor Cinema Lounge, das erste Premiumkino Deutschlands, wie es auf der Website steht. Hier ist es wirklich schön und kuschelig, und ich tauche ab in Bernd Eichingers Leben ... Was mich - neben dem Inhalt der Dokumentation - aber fast noch mehr beschäftigt, ist wie immer die Mode: Bernd Eichinger trägt diese runden Sonnenbrillen aus Horn, die gerade wieder so in sind, plus Levi's 501 plus Bomberjacke. 80er reloaded. Und damit auf einmal wieder so aktuell, so München.

Mir fällt auf, wie natürlich die Menschen früher aussahen. Wie unnatürlich sie heute sind. Gerichtete Zähne, gestylte Outfits, gefärbte Haare - wir Menschen sind heute und hier besser als die Realität. Und trotzdem können wir ihr nicht entfliehen. Trotzdem frisst die Zeit an uns, und das Alter. Die 90 Minuten vergehen wie im Flug, die Doku berührt - egal, ob ich mich an einen meiner ersten Kinobesuche zurückerinnere - es war "Die unendliche Geschichte", produziert von Bernd Eichinger, oder "Der Name der Rose", den wir auf Video anschauten und pubertär, wie wir waren, nur nach der Sexszene gierten, oder "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", der mir plötzlich die Idee einflöst, dass Patrick Wolf irgendwie der David Bowie der Nuller Jahre ist. Plötzlich bekommt Bernd Eichinger nach langer Zeit des Wartens die "Lola" - kurz danach stirbt er. Trotzdem ist der Film eigentlich gar nicht traurig, nur einfach wahnsinnig berührend durch die Menschen, die Bernd Eichinger berührt hat und die zur Sprache kommen. Ich verkneife mir auch dieses Mal wieder die Tränen, denn wer will schon verheult aus dem Premiumkino kommen?


Mehr Infos:
Astor Cinema Lounge, wechselndes Programm


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