Mittwoch, 16. Januar 2013

Ausstellung: "Privat" in der Schirn


Ein Blogbeitrag über "Privat" - ist das jetzt ironisch oder nur logisch? Die Ausstellung in der Frankfurter Schirn befasst sich nämlich damit, dass in unserem heutigen digitalen Zeitalter der Wissensgesellschaft eigentlich gar nichts mehr privat ist. Wie Andy Warhol prophezeite: Jeder bekommt heute seine "15 minutes of fame" - wenn er nur genug von sich preis gibt. Fotografien, Polaroids, Handyfotos zeugen in der Ausstellung davon.

Manches war mir aber zu "privat", um es anzugucken. Den Geburtsfilm habe ich mir mal erspart, denn a) wurde ich damit schon in der 7. Klasse konfrontiert und b) will ich ja doch vielleicht irgendwann mal Kinder. Auch die Clips der bootyshakenden Mädels kenne ich schon zur Genüge - natürlich nur zu Studienzwecken angeschaut, schließlich braucht man ja Ideen, wie man sich zu "Bicycle" von Vybz Kartel bewegen soll. Angeschaut habe ich mir dagegen eine Installation, die eine Freundin von mir als "Wimmelbild" bezeichnete - "Pimmelbild" traf es meiner Meinung nach allerdings bedeutend besser, denn bei den mikrokleinen, zu einer riesigen Wall zusammengefügten Ausschnitten, handelte es sich um - Pornos.

Natürlich gibt es neben öffentlichem Sex auch noch Werke von mehr oder weniger politisch motivierten Künstlern wie Ai Weiwei. Auch die weggekratzte Identität auf den Schwarz-Weiß-Fotos ist spannend, oder der Blick in fremde Tagebücher, aus dem ich letztendlich den Schluss ziehe, dass alle Menschen irgendwie ähnliche Probleme haben.

Ehrlich gesagt, kam ich mir trotzdem ein bisschen vor wie eine Mischung aus dem Knast-Jogger aus "The Long Distance Runner" und Hanno aus den "Buddenbrooks": Ich bin einfach zu proletarisch, um diese ganze Nacktheit als "Kunst" anzusehen, und zu sensibel, um mich darüber lustig zu machen. Schlafende Menschen, denen der Sabber aus dem Mund läuft, beschämen mich eher, die Mädels in den Videos rufen Mitleid in mir hervor und Menschen wie Dash Snow (rip) faszinieren mich zwar, kotzen mich in ihrer Abgefucktheit aber eher an ... Andererseits, ich blogge ja auch und gebe davon ein Stück meiner Privatsphäre preis. Also darf ich eigentlich gar nichts sagen. Außer, dass ich mir selbst aussuche, was ich preisgebe und an wessen 15 minutes of fame ich teilhaben will - und an welchen lieber nicht. Und ja, vielleicht bin ich da spießig, wenn Spießigkeit mit Sensibilität gleichzusetzen ist, aber wenigstens bewahre ich mir mein Seelenheil.

Privat, noch bis zum 3. Februar 2013 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Kommentare:

  1. Da wären mir einige Sachen wahrscheinlich auch zu krass. Was ich allerdings eine super coole Idee finde, sind die 70 Kleider einer Frau. :)

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  2. Gehe ich mir ansehen. Nächste Woche. :)
    Ich bin gespannt.... seeeeeeehr!

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